Ich war verloren und wurde gefunden – und nun geht es hinauf in den Himmel, oder erst tief hinab? Niemals werden wir auf Erden das Gesamtwerk des Kreuzes begreifen können. Doch wenn wir mit Christus wandeln, jubeln wir zu Beginn voller Euphorie, ohne zu wissen, was uns im Anschluss erwartet. Und doch dient es alles zu unserem Besten: zum Zerbruch unserer Hülle – des äußeren Menschen. Wir erzählen Menschen von Christus, verkünden das Evangelium und stellen zugleich fest: Christus hat den tiefen Wunsch, uns zu verändern. Er tut dies, weil er uns liebt und weil er durch uns andere Menschen erreichen möchte – mit seiner Liebe. Wir selbst können predigen, oft aus eigener Willenskraft. Doch wenn Christus selbst durch uns spricht, erreicht er mit seiner Kraft die Herzen, und wir werden zu Gefäßen seines Geistes. Doch wie kann ein Gefäß brauchbar sein, wenn der Geist darin nicht frei fließen kann?
Christus dringt tief in unsere Seele hinein und befreit uns von jeglichem Schmutz. Die Finsternis wird ans Licht gebracht. Plötzlich sehen wir unsere Traumata, unsere tiefsten Schmerzen und Verletzungen. Wir sind erschüttert. Unser Körper zittert, wir schreien und weinen. Dieser Weg ist bitter und schmerzhaft – und doch führt er ins Licht. Sich zerbrechen zu lassen, erfordert viele Tränen, doch jede einzelne davon fängt er auf. So gehen wir selbst tief hinab in die Erde, um dann erhöht zu werden. Unser alter Mensch wird geschlagen und zerbrochen, damit der wahre, neue Mensch zum Vorschein kommen kann. Ein Mensch, der liebt – mit aufrichtigem Herzen. Der nichts verlangt. Der zuhört bei Leid und Kummer. Ein Mensch, der echtes Interesse hat – nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe. Der sein Herz verschenkt, statt zu verurteilen. Vielleicht, weil er selbst erfahren hat, wie Gott ihn in der Tiefe getragen hat. Manche Zeiten werden dich an deine Grenzen bringen. Sie fordern alles – vor allem dein Vertrauen. Mit Christus zu gehen bedeutet, den alten Menschen ans Kreuz zu schlagen und sich zerbrechen zu lassen, damit er, der in dir lebt, durch dich wirken kann. In diesen Zeiten wirst du klagen, schreien und weinen, deine Knie werden zittern – doch er ist da. Er hält deine Hand. Er geht mit dir durch jedes Tal. In einen Moment wirst du klagen, im anderen dich vor ihm verbeugen. Denn du bist hin- und hergerissen zwischen deiner alten Hülle und Christus in dir. Doch von Tag zu Tag wird er dich verwandeln. Du wirst sein Wesen in dir erkennen, du wirst jubeln vor Freude und hinaufgezogen werden – aus der Dunkelheit ins Licht.
Es ist nicht schwieriger geworden mit Christus. Er hält dir jedoch den Spiegel vor. Plötzlich siehst du all den Schmutz, die Finsternis und deine inneren Dämonen. Doch er ist nicht der Verursacher deines Leids – er ist der Retter.
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